Es ist ein bisschen, als würde man erfahren, dass ein alter Freund, von dem man schon lange nichts mehr gehört hat, im Sterben liegen: Microsoft hat das endgültige Supportende für seinen Webbrowser Internet Explorer angekündigt.

In den Worten des Konzerns hört sich das natürlich anders an. »Die Zukunft des Internet Explorer für Windows 10 liegt in Microsoft Edge« ist der Blogeintrag betitelt, in dem Microsoft-Manager Sean Lyndersay die Verrentung des Browser-Veteranen bekannt macht.

Und ja, er spricht dabei selbst davon, die aus verschiedenen Gründen legendäre Software »in den Ruhestand zu schicken«. Jene Formulierung lässt an den Film »Blade Runner« denken, in dem den Begriff »jemanden in den Ruhestand schicken« immer dann verwendet wird, wenn es darum geht, sogenannte Replikanten zu töten.

Es gibt Ausnahmen

Für den Internet Explorer soll der Ruhestand am 15. Juni 2022 beginnen, heißt es in dem Blogeintrag weiter. An diesem Tag werde der Support für die Software eingestellt, allerdings nur »für bestimmte Versionen von Windows 10«.

Was das konkret bedeutet, wird auf einer eigens eingerichteten FAQ-Seite zum Thema erklärt. Denn von der Änderung ausgenommen sind sogenannte LTSC-Versionen von Windows 10. Diese »Long Term Service Channel«-Varianten stehen aber nur Unternehmen zur Verfügung, die bereit sind, für langfristigen Support einen Aufpreis zu zahlen.

Ausgenommen sind außerdem das schon lange nicht mehr taufrische Windows 8.1 sowie sogenannte ESU-Versionen von Windows 7, die nur Unternehmen angeboten werden und die gegen einen gewissen Aufpreis sogenannte »erweiterte Sicherheitsupdates« bieten. Den allgemeinen Support für Windows 7 hat Microsoft am 14. Januar 2020 eingestellt.

Wer nach dem 15. Juni 2022 versucht, den Internet Explorer auf einem Rechner, der nicht zu den genannten Ausnahmen zählt, zu öffnen, wird eine Enttäuschung erleben. Laut Microsoft wird der Browser an diesem Stichtag deaktiviert. Beim Versuch, ihn trotzdem zu starten, sollen Anwender auf den Explorer-Nachfolger Edge verwiesen werden.

Ohnehin habe Edge ja einen Explorer-Modus (»IE mode«), heißt es. Zudem sei der neue Browser schneller und sicherer und biete »ein moderneres Interneterlebnis«.

Sicherheitslücken, überall Sicherheitslücken

Alles andere als mehr Sicherheit wäre auch peinlich, denn eine Sache, für die der Internet Explorer bekannt war, lässt sich schnell anhand einer Suche nach seinem Namen auf SPIEGEL.de in Erinnerung rufen: Sicherheitslücken.

Im Dezember 2008 beispielsweise warnte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor einer gefährlichen Schwachstelle in Microsofts Browser, die von Kriminellen ausgenutzt wurde, um Schadsoftware auf die Computer der Opfer einzuschleusen. Immerhin: Zwei Tagte später verteilte der Konzern einen Patch dafür.

Probleme wie dieses gab es öfter. So warnte etwa das BSI Anfang 2010 erneut vor Microsofts Browser und empfahl, stattdessen lieber eine der kostenlosen Alternativen zu nutzen. Eine Zeit lang schien es, als würde es Explorer-Sicherheitslücken im Dutzend billiger geben.

Hier finden Sie eine kleine Auswahl unserer Meldungen aus den Jahren 2010 bis 2013:

Schuld an der Popularität des Internet Explorer bei kriminellen Hackern dürfte allerdings auch die Faulheit vieler Windows-User gewesen sein, die es einfach versäumten, auf ihren PCs Updates und aktuelle Versionen einzuspielen. Das sorgte mitunter für skurrile Reaktionen. Im Sommer 2012 etwa versuchte ein australischer Onlineshop, seine Kunden zu erziehen, indem er jenen, die mit einem veralteten Internet Explorer bei ihm einkauften, eine »Internet-Explorer-7-Steuer« in Form von 6,8 Prozent Aufpreis aufbrummte.

561 Millionen Euro Explorer-Strafe

Aber auch für Microsoft selbst wurde der Browser unerwartet teuer. Im März 2013 verhängte die EU-Kommission wegen unfairer Geschäftspraktiken eine Geldbuße in Höhe von 561 Millionen Euro gegen den Konzern. Der Vorwurf: Microsoft habe es versäumt, den Nutzern von Windows 7 neben dem hauseigenen Internet Explorer auch Browser von Konkurrenten anzubieten.

Das Problem war damals, dass sich der Konzern auf Druck der EU verpflichtet hatte, Anwendern bei der Installation von Windows auch die Installation anderer Browser nahezulegen. Wir kommentierten die Einführung dieser Wahlfreiheit einst mit der Aussage, das habe es in der Windows-Welt noch nie gegeben.

Blöderweise blieb das für einige Millionen Nutzer auch so: Microsoft erklärte, es habe sich dabei um einen technischen Fehler gehandelt, doch davon ließ sich die EU-Kommission nicht besänftigen.

Marktanteil unter einem Prozent

Heutzutage dürfte der 1995 vorgestellte Internet Explorer im Alltag der meisten Internetnutzer keine große Rolle mehr spielen. Die letzte prominente Erwähnung des Browser-Urgesteins auf SPIEGEL.de datiert auf 2016, als klar wurde, dass Microsofts Programm seine Position als meistgenutzter Browser der Welt an Googles Chrome verloren hatte.

Daran hat sich bis heute nichts geändert, nur das prozentuale Verhältnis ist ein anderes geworden. Laut Statcounter liegt der Internet Explorer mit 0,7 Prozent Marktanteil knapp über der Wahrnehmungsgrenze. Google Chrome dagegen hat zwei Drittel des Marktes für sich gewonnen.

Für technischen Support kontaktieren Sie uns unter:
www.kanatec.ch/service/windows-support

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